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Am Panel des Katersalons saßen (von links): Musiker Torsun von Egotronic, Philosoph Andreas L. Hofbauer, Journalist Felix Enzian und die Kulturwissenschaftlerin Dunja Brill.Alle vier widmen sich Subkulturen bzw. Stilrichtungen aus Mode und Musik und agierten als Co-Autoren über Einzelbeiträge im geplanten Buch. Moderatoren des Abends waren Nadine Hartmann und Stefan Gilles.

Das Mode sich gern mit Charity-Flair umhüllt ist nichts außergewöhnliches. Doch interessant wird es, wenn ein Buchprojekt über Mode zum Crowdfunding stilisiert wird. Charitysalon – Gestern Abend luden die Initiatoren des Buches „COOL AUSSEHEN – das Buch über Mode und Jugendkulturen“ in den Katersalon des Kater Holzig ein, um mit vier Autoren über das Thema Subkulturen und modischen Entwicklungen zu diskutieren. Ich bin anders! Wir sind viele!

„ Für immer Punk möchte ich sein, für immer Punk solln deine Kinder alle Grufties werden
für immer, für immer Punk…“*  Ein Song aus meiner Sturm-und-Drang-Zeit zu dem ich mir meine Haare rosa bis pink färbte , der linken Kopfhälfte einen Sidecut verpasste und schachtelweise Gitans qualmte – eben wie einst Vivienne Westwood, als sie noch mit Malcom McLaren und den Sex Pistols umher zog. Seit langem sind die Haare blond, gleichmäßig lang und ich rauche gelegentlich blaue Gauloises. Rockmusik mag ich immer noch und den Style des Glam-Punk mit viel zu kurzen Röcken sowie die Vorliebe zu Leo-Prints lebe ich auch heute noch aus. Bei mir ist Musik vergänglicher als Mode. Sicherlich auch ein Grund weshalb Modejournalistin geworden bin (nicht wegen dem schlechten Musikgeschmack). Ich sehe Szenen oder Subkulturen immer noch als wichtigste Inspirationsquelle für meinen Kleidungsstil und schließlich für meine Arbeit als Modekolumnistin. Tendenziell gesehen habe ich demnach auch einige subkulturelle Züge im Wandel durchlebt, von meinem Zeitpunkt der Selbstprägung aus hin zum Bewusstsein sich als stilsicheres Individuum zu kreieren.

Einen überaus persönlichen Einblick gab während der Charitysalon-Runde der Journalist Felix Enzian, der bildlich seine Lifestyle-Entwicklung im Raffer von zehn Jahren zeigte und diese mit Annekdoten unterlegte. Vom braven Judoka über Goth-Raggae-Glam-Punk hin zum Dandyliken-Look mit 50er-Jahre-Anzug und Binder. Übrigens, etwas anders als bisher sehe ich nun die Dandybewegung, was durch den Beitrag von Andreas L. Hofbauer bedingt wurde. Ich sehe / sah den Dandyismus als eine Art Lifestyle mit dem Charakteristikum des Oscar-Wilde-Styles. Scheint man sich tiefer mit dieser Kultur zu beschäftigen, wird der Dandy als Nullpunkt definiert. Ausgehend von einer kalten Einstellung, die sich von gesellschaftlichen Normen absetzt und unabhängig ist von Alter oder Herkunft. So zumindest (kurzgefasst) die teils polarisierende These von Andreas L. Hofbauer. Wohin ein exaltierter Lebenswandel führen kann, trug Torsun mittels einer unterhaltsamen Fix&Toxi-Comicgeschichte (Abwandlung von Fix&Foxi) vor. Ein Vortrag den man auch wie folgt betiteln könnte: Wie man aus der Kombination von Musik und Drogen mit Erfolg zerbrechen kann. Die Geschichte erinnerte schon stark an die Bandgeschichte von Nirvana, die die Musikrichtung Grunge definierte und daraus auch einen Kleidungsstil (Grungelook) hervorrief.

Den modischsten Aspektes des Abends lieferte Dunja Brill, die sich seit Jahrzehnten mit der Goth-Bewegung, auch wissenschaftlich, beschäftigt. Die Kulturwissenschaftlerin lieferte einen Streifzug durch die Entwicklung des Goth-Styles der letzten Jahrzehnte. Chronologisch begann die sichtweise Anfang der 90er Jahre , die geprägt war vom romantisch anmutenden Rüschenlook und Reifrock. Mit den Jahren nahmen Elemente des Punk und Metals auf das Erscheinungsbild der Goth Einfluss, bis schließlich Ende der 90er das Stilbild der Cyper-Gothics einzog. Mit diesem Wandel folgten die immer freizügigeren, teils fetischlastigen Looks, was Dunja Brill auch mit „Sex-Shop-Dress“ umschrieb. Interessant zu erfahren war, das die Gothic-Szene heterosexuell dominiert ist, wobei das Geschlecht bei der Bekleidung keine Rolle spielt. Transgender-Auftritte mit Alter Egos kombiniert sind in dieser Szene gängig, ohne jedoch eine klassische transsexuellen Neigung zu haben. Ähnliches gilt auch für das Tragen von Uniformen, die schlichtweg als Stilelemente aufgenommen werden, jedoch keine politische Aussage symbolisieren. Hierbei spricht man von einer Entkontextualisierung.

Zusammengefasst war Grundfrage des Abends, wie wohl auch im bald erscheinenden Buch, warum „verkleiden“ sich Menschen – abnorm? Es es der Schockeffekt den man als Jugendlicher einfach setzen muss und im Erwachsenen Alter als Selbstinszenierung auslebt? Gehören Musik und Mode zusammen – wer prägt wen?

Mit Schillers Worten und Beehovens Klängen im Kopf beende ich nun diesen Beitrag: „Deine Zauber binden wieder was die Mode streng geteilt alle Menschen werden Brüder wo dein sanfter Flügel weilt.“

Informationen zum Buchprojekt, und der Herausgeberin Diana Weis gibt es unter: startnext.de

 

 

*Songtext aus: Für immer Punk / Goldene Zitronen

 

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